Ich habe ihn erschlagen.
Während er schlief.
Ich betrachte ihn, er sieht gut aus, so, tot, bis auf das Blut, und ich lege einen Kissenbezug um seinen Kopf, auf das Blut, das aus ihm heraus sickert, und ich bin ruhig, das erste Mal seit Wochen bin ich entspannt und ruhig.
Ich sitze auf seinem Bett, draußen scheint die Sommersonne, ein schöner Tag, und ich sehe ihn an. Er sieht gar nicht aus, als ob er schläft, er sieht sehr tot aus, trotz des Kopfkissenbezugs, und ich muss lachen, weil er aussieht wie die heilige Maria, und ich weise mich zurecht, so geht das nicht, sage ich mit verstellter Stimme, das ist pietätlos, man lacht nicht über Tote, auch nicht, wenn sie witzig aussehen.
Ich lege seine Hände ineinander, auf seiner Brust, seine Arme sind schwer, große, starke Männerarme, die mich gehalten haben, letzte Nacht noch, und jetzt sind sie schlaff und schwach und fallen herunter. Er ist nicht religiös. Gewesen.
Ich lege meinen Kopf auf seinen Bauch und schließe die Augen. Ich denke an letzte Nacht. Wir haben uns geliebt, bei Kerzenschein und Musik, ich war groß und wunderschön, und er hat geschwitzt, ich war die Melodie und er der Rhythmus, eins, zwei, oh, ja, und vielleicht haben wir ein Baby gemacht, einen Chartstürmer, eine goldene Schallplatte, eine kleine Madonna.
Es war gut. Er war gut. Ein guter Mann.
Er hat den Knopf gefunden, der meine Gedanken ausschaltet, und ich habe geweint und seinen Hals gebissen und seinen Duft geatmet, und er hat mich gehalten, seinen Arm um meinen Nacken gelegt, seine Muskeln an meiner Wange und hat mich Gott gerufen.
Oh, mein Gott.
Danach war ich klein und hässlich. In meinem Kopf war nur noch Rauschen, keine Melodie, kein Rhythmus mehr, es war dunkel und kalt, und die Angst floss aus mir heraus und befleckte das weiße Leinentuch, während er schlief.
Ich dachte an die anderen Männer, die neben mir geschlafen hatten, während ich an die Decke gestarrt und gebetet hatte: Ich bin klein, mein Herz ist rein, und dieser Mann für immer mein.
Und dann war er gegangen. Irgendwann gehen sie alle. Zu Frauen mit anderen Namen, anderen Körpern. Zu Frauen die nicht rauschen, hinterher.
Wir Menschen, wir unterscheiden uns von den Tieren, denn wir können Denken, und handeln überlegt, nicht instinktiv, wir töten nicht ohne Grund, wir sind keine Spinnen und fressen unsere Männchen nach der Befruchtung, wir warten bis zum nächsten Morgen, und so müssen wir nicht alleine schlafen, und das ist gut, denn so müssen die Weibchen keine Angst haben vor Einbrechern und Vergewaltigern und Mördern und Spinnen.
Ich sehe ihn an, küsse seine Stirn.
Unsere Liebe ist heilig, jetzt, ewig, und unzerstörbar.
Ich habe meine Angst besiegt.
Besser ein toter Mann als immer diese Angst.
Er hatte keine Angst, er hatte viele Weibchen, aber keine Angst, und ich wurde wach und mir war übel von der ganzen Liebe in meinem Bauch, ich war fett und musste mich übergeben, und er schlief.
Er schlief, ich beobachtete ihn, er hatte mich sicher, meine Liebe und mich, verfallen, hilflos und klein.
Aber ich habe dich gesehen, flüsterte ich, ich habe dich gesehen mit der Frau mit dem Pornonamen, ich höre, dass du sie willst, an der Art, wie du ihren Namen sagst.
Und dann war ich stark und klug und nahm die Buddha-Figur, und jetzt bin ich verliebt und glücklich und nehme ein Foto, für mein Portemonnaie, und eins für den Nachttisch, und die Musik von meinem Mann, ich küsse ihn auf den Mund und sage ich liebe dich, und dann trete ich auf die Strasse und die Sonne scheint in mein Gesicht.
Ich bin entspannt und ruhig.
Er liebt mich. Für immer.

Wir Menschen, wir wurden nach Gottes Ebenbild erschaffen.
Deswegen töten wir. Wenn es sein muss. So wie er.
Es ist ein guter Tag.
.
Während er schlief
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